Intelligent und medikamtenfrei behandeln
Immer deutlicher wird sichtbar, dass die Bekämpfung der Varroa destructor mit Medikamenten oder Säuren in einer Sackgasse endet. Damit retten wir zwar kurzfristig die befallenen Bienenvölker, aber langfristig gesehen unterstützen wir die Milbe. Denn bei jeder dieser Behandlungen töten wir die schwächeren Milben, die vitalsten aber überleben. Und genau hier liegt das Problem: Wir züchten gezielt widerstandsfähige Milben und behindern eine Toleranzentwicklung zwischen Wirt und Parasit. Was wir benötigen ist ein Konzept, bei dem wir gezielt die starken Milben, die die stark reproduzieren, aus den Völkern nehmen. Um die schwächeren Milben, die die nur eine sehr geringe Vermehrungstendenz aufweisen, brauchen wir uns nicht zu kümmern. Aber mit Medikamenteneinsatz oder Säuren funktioniert das nicht.
Einige Methoden zur medikamentenarmen Behandlung gibt es ja schon länger: Drohnenbrut schneiden, Kunstschwarm-Verfahren, Brutentnahme. Aber die werden nur von wenigen Imkern konsequent angewandt. Und damit alleine können wir mit ca. 40-70% nicht genügend Milben aus den Völkern holen. Das reicht nicht für eine erfolgreiche Überwinterung.
Aber mit dem kombinierten Verfahren „Bannwabe und Fangwabe“ haben wir die stärkste Waffe gegen Varroa und eliminieren über 95% der Milben eines Volkes. Das geniale dabei ist, dass wir damit gezielt die starken, vermehrungswilligen Milben aus dem Volk nehmen.
Benötigtes Material:
eine Bannwabentasche
drei leere Brutwaben, die wir deutlich mit 1, 2, 3 beschriften
Der Tag „0“ ist der Tag an dem die Aktion beginnt. Danach folgen die Aktionstage 9, 18, 27, 36.
An jedem dieser Aktionstage (nicht früher oder später) ist eine Handlung erforderlich.
Los geht´s:
Tag 0:
Königin mit Wabe Nr. 1 in Bannwabentasche geben.
Bannwabentasche mittig ins Brutnest geben.
Ggf. Randwabe entnehmen, um Platz zu schaffen.
Tag 9:
Bannwabentasche herausnehmen.
Wabe Nr. 1 herausnehmen.
Königin auf Wabe Nr. 2 setzen und in Bannwabentasche geben.
Bannwabentasche mittig ins Brutnest geben.
Wabe Nr. 1 neben Bannwabentasche geben.
Ggf. Platz schaffen durch Entnahme einer Randwabe.
Am Tag 9, Volk auch auf Nachschaffungszellen prüfen.
Tag 18:
Wabe Nr. 1 herausnehmen und einfrieren.
Bannwabentasche herausnehmen.
Wabe Nr. 2 mit Königin aus Bannwabentasche nehmen.
Königin auf Wabe Nr. 3 setzen und in Bannwabentasche geben.
Bannwabentasche ins Volk geben.
Wabe Nr. 2 neben Bannwabentasche geben.
Tag 27:
Wabe Nr. 2 herausnehmen und einfrieren.
Bannwabentasche herausnehmen.
Wabe Nr. 3 aus Bannwabentasche nehmen.
Wabe Nr. 3 mit Königin ins Volk geben.
Die Bannwabentasche wird nicht mehr benötigt.
Tag 36:
Wabe Nr: 3 herausnehmen und einfrieren.
Volk auf Nachschaffungszellen prüfen.
Das Prinzip ist also ganz einfach:
Die Königin wird dreimal auf jeweils einer Wabe neun Tage lang in eine Wabentasche gebannt. Dort kann sie stiften und offene Brut anlegen. Jeweils am neunten Tag wird diese eine Wabe mit der offenen Brut aus der Wabentasche genommen und ins Bienenvolk zurückgegeben. Dort gehen jetzt die vermehrungswilligen Varroamilben in die offene, verdeckelungsreife Brut rein. Im verdeckelten Zustand (wieder 9 Tage später) werden diese Waben mit den darin gefangenen Milben entnommen und eingeschmolzen. Wir haben jetzt ganz gezielt die Milben herausgenommen, die den stärksten Vermehrungsdrang hatten.
Wichtig ist, dieses Verfahren nicht zu früh anzuwenden, damit wir im Herbst nicht wieder zu viele Milben im Volk haben. Ideal wäre es, Ende Juli zu beginnen. Bis dahin stört auch ein höherer Varroabefall von tgl. 40-60 Milben in der Schublade nicht, denn da handelt es sich ohnehin noch um Sommerbienen, die wir für eine gesunde Überwinterung nicht benötigen. Die vermeintlich hohe Virenbelastung spielt dabei auch kaum eine Rolle, denn wir habe ja keine mit Viren belastete Brut mehr und können jetzt brutfrei eine Wabenhygiene durchführen und mit der Winterauffütterung beginnen. Die Königin wird auf neuen Waben ein schönes Brutnest anlegen und fette, gesunde Winterbienen erzeugen. Die so behandelten Völker werden in der Regel stärker auswintern, als die konservativ behandelten. Und wir Imker unterstützen so unsere Bienen und nicht Varroa destructor.
Jetzt gibt es aber auch Ausnahmen, bei denen alleine mit dieser medikamentenfreien Betriebsweise nicht genügend Varroamilben aus den Völkern genommen werden können. Diese wenigen Ausnahmen erfordern nun eine spezielle Behandlung: Diese Völker müssen auf einen Quarantänestand gebracht, und nach Brutentnahme konventionell behandelt (Oxalsäure) und umgeweiselt oder aufgelöst werden. Wir benötigen eine klare Trennung, um Gebiete zu schaffen, wo sich Bienenvölker und Varroa einigen, sich zu vertragen. In diesen wachsenden Refugien sind nur Völker mit sanften Milben, die ohne Medikamente zurechtkommen. Völker die damit nicht klarkommen oder Völker deren aggressive Milben sich zu rasant vermehren müssen räumlich entzerrt werden. An diesen Quarantäneständen können dann Völker verschiedener Imker stehen, bis diese saniert und mit guten Königinnen beweiselt wurden.
An unserem Lehrbienenstand zeigen wir nicht nur dieses kombinierte Verfahren „Bannwabe und Fangwabe“, sondern auch das „Brutstopp-Verfahren“ durch käfigen der Königin und das „Hyperthermie-Verfahren“ mit dem Varroakontroller.
Karl-Heinz Schäfer
Bienensachverständiger

